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Die Tagesschau Online Kontroverse

Tagesschau goes digital ist eine der neuen Entwicklungen, die momentan die deutsche Presslandschaft in Unruhe versetzt.

So fragte dann auch der Spiegel kürzlich: ” Was soll der öffentlich rechtliche Rundfunk eigentlich dürfen?“Die Aufregung in den deutschen Medien ist wohl verständlich. Fast einstimmig lautete das Presseecho der letzten Wochen: Tagesschau online, durch Rundfunkgebühren finanziert, verzerrt den Wettbewerb und benachteiligt die traditionellen Zeitungen. Denn in der hartumkämpften Medienwelt von heute haben die online-Angebote der Zeitungen ein Problem. Wie kann man ein kommerzielles online-Angebot an den Leser bringen, wenn Tagesschau Online sich immer weiter zu einem formidablen Wettbewerber entwickelt, gleichzeitig aber nicht den klassischen Regeln des Marktes unterworfen ist?

Eine Klärung hinsichtlich der Nutzung von öffentlichen Mitteln und der Rundfunkgebühren muss erbracht werden. Diese Klärung muss allerdings auch die neuen Entwicklungen in der digitalen Medienwelt Rechnung tragen. Denn bisher war der öffentlich rechtliche Auftrag auf Radio und TV angelegt und hat Deutschland ein in der Welt vielfach gelobtes und sehr qualitiatibes Rundfunkangebot eingebracht.

Der Kern des Problems ist jedoch nicht nur, was das öffentlich-rechtliche Angebot darf sondern, was in anbieten sollte, um zukunftsfähig zu bleiben und auch weiterhin der Bevölkerung ein nicht-kommerzielles und allen zugängliches Informationsangebot anbieten kann. Ein öffentlich-rechtliches digitales Angebot gehört zwingend zu einem zukunftsfähigen Informationsangebot - sowohl im digitalen Fernsehen als auch in der digitalen Berichterstattung. Das vielfach kritisierte Problem der Konkurrenz für Online-Zeitungen ist nachvollziehbar, allerdings sollte auch ein hochwertiges und nicht den kommerziellen Zwängen unterworfenes Angebot in der deutschen Medienlandschaft weiterhin bestehen und ausgebaut werden. Denn Nachrichten, die sich dem Markt unterwerfen müssen, sind nicht notwendiger Weise den Ansprüchen der Qualität unterworfen sondern der Maxime der Profitmaximierung. Man muss nur das Angebot von Spiegel Online und sogar der Süddeutschen Zeitung kritisch begutachten, und man kommt unweigerlich zu dem Schluss, dass der Inhalt dort mehr Infotainment als klassische Nachricht darstellt.

Auf der anderen Seite muss das öffentlich-rechtliche Angebot auch strengeren Bewertungskriterien unterworfen werden. Hier ist ein Blick nach England sehr interessant. Das Angebot des BBCs wird schon seit Jahren von kommerziellen Anbietern als wettbewerbsverzerrend dargestellt. In einem im Mai veröffentlichen Report on New Media and the Creative Industries wird daher folgender Mechanismus vorgeschlagen:

“We have yet to see whether the new arrangements for governance of the BBC will inspire any greater confidence in the commercial sector that the BBC will take account of its privileged position in the market when considering new projects. The onus is on the BBC Trust to acknowledge that there is potential for the BBC’s activities to have a damaging impact on the commercial sector and that different elements of its plans have differing impacts, and we believe that the BBC must be scrupulous in addressing all the relevant markets and impacts in its Public Value Tests. It is recognised that the Trust will need to make fine judgements about conducting Public Value Tests from time to time [...] but a sensible approach would be, “When in doubt, test. ”

Der “Public Value Test” wird von der Ofcom vorgenommen und untersucht, ob der BBC einen wichtigen öffentlichen Dienst mit seinem geplanten Angebot anbieten wird und welche Implikationen dieser Dienst für den Medienmarkt hat. Ein solcher Test, in dem die Öffentlich-rechtlichen den Beweis eines öffentlichen Nutzen darlegen müssten, wäre ein Anfang, um diese Kontroverse zu entschärfen. Zusammen mit einer Neugestaltung der veralteten Rundfunkrechts jedoch und der Neugewichtung des öffentlichen Auftrages - man muss natürlich auch bemerken, dass immer mehr Menschen Online nach Nachrichten suchen und ein hauptsächlich kommerzielles Angebot eine digitale gespaltene Informationsgesellschaft schaffen wird, in der die, die Geld haben, gute Nachrichten bekommen können - werden die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sicherlich keine Probleme haben, diese Vorwürfe zu entkräften. Und ich hätte auch nichts dagegen, wenn bald mehr für ein zeitnahes digitales Angebot ausgegeben wird und weniger für das Musikantenstadl.

Artikel: Die Tagesschau Online Kontroverse · Autor: Malte · Kategorie: Journal
Datum: Freitag, 13. Juli 2007, 10:39 Uhr
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