Der Weg in die Entwicklungsarbeit
Entwicklungshilfe begann einst mit der europazentrisch geprägten Sicht, den „anderen“ die westliche Kultur, Denke und Arbeitsweise quasi als Geschenk zu überbringen. Menschen zogen aus, um zu bekehren und die Schätze der Welt zu bergen. Zumeist wurden jedoch nur die Schätze mitgenommen. Die missionarischen Eingriffe von damals tragen noch heute zu Problemen und Konflikten in den jeweiligen Regionen bei.
Von dem Beginn der nicht immer ganz uneigennützigen Entwicklungshilfe entwickelte sich ein breit gefächertes und interessantes Arbeitsfeld, besonders wenn man versuchen möchte, die Welt ein wenig zum Besseren zu verändern.
Doch bevor man sich für eine mögliche Karriere in der internationalen Entwicklungsarbeit entscheidet, sollte man sich selbst über drei Fragen Gedanken machen und für sich selbst schlüssige Antworten finden: Ist man bereit, für eine lange Zeit fern der Heimat und Familie zu arbeiten? Hat man das benötigte Durchhaltevermögen gegen die Mächtigen anzukämpfen und sich in einem sehr hart umkämpften Jobmarkt durchzusetzen? Ist man bereit, oft für relativ wenig Geld sehr lange sehr viel zu arbeiten?
Hat man auf diese drei Fragen mit einem beherzten „Ja“ geantwortet, stehen die Türen für Engagierte in Berlin offen. Es gibt eine Vielzahl von großen und kleinen Organisationen, bei denen man Praktika machen kann oder sich freiwillig einbringen kann – und natürlich auch die BMZ (Berlin/Bonn, die gut 100 – 150 studienbegleitende Praktika pro Jahr vergibt) oder auch die GTZ, die allerdings in Eschborn liegt.
Entwicklungsarbeit ist jedoch nicht einfach nur Berufung und Engagement. Es sollte geplant werden, in welchem Feld man sich engagieren möchte und schon früh Erfahrungen sammeln – denn die Chancen für einen gut bezahlten Berufseinstieg in die Entwicklungspolitik sind spärlich gesät. So ist der Altersdurchschnitt von Development Consultants bei der GTZ mit 48 Jahren doch vergleichsweise hoch, und mit Fremdsprachenkenntnissen, Projektmanagementskills und Auslandserfahrungen liegt die Latte hoch, um schon in jungen Jahren gutes Geld für harte Arbeit zu bekommen.
Aus diesem Grund ist es wichtig, sich früh zu qualifizieren und seine Ausbildung sowohl mit Praxiserfahrungen wie auch mit einem klaren Studienfokus zu besetzen. Schon früh sollte man sich im Klaren sein, in welchem Feld man später arbeiten möchte und den Studienschwerpunkt entsprechend dort anlegen. Die Hauptfelder der Entwicklungspolitik sind momentan Demokratisierung, Entwicklungsfinanzierung, Umwelt, Gesundheit, Mikrounternehmen, Urban Planning und Katastrophenhilfe. Themen wie Frauenrechte sind übergreifend in allen Kategorien präsent.
Danach folgt die Wahl der möglichen Arbeitgeber. Da Berlin Hauptstadt ist, haben viele Organisationen hier einen Sitz, so dass man hier viel versprechende Einblicke erhalten kann. Die politische Laufbahn schließt die Arbeit für Geberorganisationen, internationale Organisationen wie die Weltbank, UN, GTZ oder das BMZ ein. Ist man akademischer veranlagt, bietet die Recherche in Think Tanks und Universitäten ein gutes Gebiet, um sich auszutoben – aber selbst dort geht es nicht ganz ohne Praxisbezug. Die NGO-Laufbahn hat von allem ein wenig, jedoch noch mit einer Priese Aktivistenflair, mit dem sicherlich viele zuerst in das Gebiet der Entwicklungsarbeit vorgedrungen sind. Wer jedoch die Welt nicht nur verbessern will, sondern diese auch bereisen möchte, kann schöne und intensive Auslandserfahrungen machen und sich vor Ort engagieren (wie in El Claretino beschrieben) http://www.politika...lungsarbeit-vor-ort/
Es ist ebenfalls wichtig, einen regionalen Schwerpunkt zu finden. Ost-Europa und Zentralasien erhalten Unterstützung im Bereich Demokratisierung, Privatisierung und Marktentwicklung. In Afrika wird sich vornehmlich auf Gesundheit, Humanitäre Hilfe und Demokratisierung konzentriert. In Asien stehen die Umwelt und Privatsektorentwicklung und in Mittel- und Südamerika stehen Mikroinitiativen und die Privatsektorentwicklung im Fordergrund.
Ebenfalls sollte man sich über die aktuellen Entwicklungen im Feld im Klaren sein. In den Entwicklungsländern ist in den letzten 20 Jahren ein semi-autonomes und vielfältiges NGO-Netzwerk mit lokalen Aktivisten und Initiativen aufgebaut worden. Man kann sich zwar immer noch vor Ort engagieren, aber der klassische Markt der hands-on Entwicklungsarbeit ist rückläufig, denn meist wissen die Menschen vor Ort besser Bescheid, was gebraucht wird und wie und wo man die bedürftigen erreichen kann. Organisationen wie Oxfam oder GTZ investieren deshalb verstärkt in den Ausbau der Recherche, des Fundraising und der Projektorganisation und werden zu Dachorganisationen mit strategischen Partnern vor Ort. Für eine „hands-on“ Arbeit sollte man sich an internationale oder Geberorganisationen (Welt Bank, IMF, DFID, CIDA, ADB, UNDP) wenden, oder sich gemäß seines Interesses ein Land wählen und über verschiedene Netzwerke wie z.B. www.idealist.org nach Organisationen vor Ort suchen.
Wie in jedem anderen Beruf sind also eine Vielzahl von Dingen zu beachten und zu lernen. Doch das Gefühl, etwas Gutes und Wichtiges zu tun, mit müden Knochen zu Bett gehen und doch nachhaltiger zu arbeiten als Investmentbanker, Webdesigner, Werber und all die anderen modernen Jobs, macht die Arbeit im Entwicklungmanagement / in der Entwicklungsarbeit eine wahre Berufung.
Artikel: Der Weg in die Entwicklungsarbeit · Autor: Malte · Kategorie: Artikel
Datum: Montag, 30. April 2007, 16:24 Uhr
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