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Berufung Fernweh

Das Fernweh zum Beruf machen. So lautet die eingängige Beschreibung über die Arbeit und die Karriere im Auswärtigen Dienst. Im Sinne des Wortes Beruf ist die Entscheidung für die abwechslungsreiche und teils auch gefährliche Arbeit auf dem internationalen Parket eine Berufung, die gefühlt werden muss – es ist, in den Worten des Leiters der Akademie Auswärtiger Dienst, „eine weit reichende Lebensentscheidung“.

Das Praktikantenprogramm des Auswärtigen Diensts ist, obwohl mit 8 Wochen Durchschnittslänge im Vergleich kurz, nicht nur als ein Schnupperpraktikum angelegt. Es ist maßgeblich für diejenigen, die sich gezielt für den Auswärtigen Dienst interessieren und somit auch ein Recruitingtool für den außenpolitischen Nachwuchs. Wobei maßgeblich nicht ausschließlich bedeutet. Bei der Bewerbung jedoch, die sehr ausführlicher Unterlagen bedarf, erscheint es jedoch vom Vorteil, Feuer und Flamme für Fernweh und Außenpolitik zu sein – und natürlich ist während der Semesterferien ein besonders großer Andrang von Bewerbern, denn es gibt nur Vollzeitstellen.

Die Relevanz des Praktikaprogramms spiegelt sich dann aber auch in der Qualität der Arbeit und der Erfahrungen wieder. So erhalten Praktikanten einen Betreuer, der neben aller fachlichen Kompetenz auch gern mal bei der Zimmersuche in Berlin hilft, werden in aller Regel in ein Team in den verschiedenen Referaten eingebunden und beziehen ein eigenes Büro. Es gibt leider keine Vergütung, daher sollte man am besten schon in Berlin wohnen, oder über die nötigen finanziellen Mittel verfügen - oder muss für die Zeit etwas ansparen. Aber 6-8 Wochen in Berlin ohne viel Geld zu haben ist schließlich auch eine typische Erfahrung dieser Stadt.

Hat man die Bewerbungshürden mit Erfolg genommen, erwartet einen eine spannende Zeit. Die Arbeit ist vielfältig und interessant – auch wenn man vor seinen Freunden über die inhaltlichen Details der Arbeit, auch wenn sie noch so spannend sind, nicht sprechen darf, denn es ist ja schließlich und letztendlich Außenpolitik. Und diese ist angesichts aktueller Entwicklungen ständig mit neuen Herausforderungen und Aufgaben konfrontiert. Hierzu gehören natürlich die Europapolitik, die Gestaltung der Nord-Süd-Zusammenarbeit und die Zusammenarbeit mit neuen Demokratien und Marktwirtschaften in Mittel- und Osteuropa. Neue Tätigkeitsfelder entstehen auch im Umweltbereich, der Bekämpfung des Terrorismus und der Humanitären Hilfe. Zunehmende Bedeutung hat die Mitarbeit in internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen, der Europäischen Union, der NATO, der OSZE und der WEU gewonnen. Die Betätigungsfelder für Praktikanten sind so breit gefächert wie interessant. Es ist daher von Vorteil, sich über die Arbeit der verschiedenen Referate im Vorfeld zu informieren, denn mit genügend Vorkenntnissen und Engagement werden manchmal sogar kleinere Projekte an Praktikanten übertragen, die diese dann weitestgehend selbständig bearbeiten können.

Wer schon mal in den internationaleren und kulturell am spannendsten Teil des Diplomatischen Dienstes reinschnuppern möchte, für den gibt es die Möglichkeit, ein Praktikum in den Auslandsvertretungen zu machen. Es ist nicht nur so, dass in den Auslandsvertretungen meist ein recht intimes Arbeitsklima herrscht, sondern man kann dort auch leichter an Sitzungen teilnehmen und wird stärker in die hands-on Arbeit des auswärtigen Dienstes eingebunden. Im Rechts- und Konsularbereich kann es dann auch schon mal geschehen, dass man Deutsche in örtlichen Gefängnissen mitbesucht oder Gerichtsverhandlungen beiwohnt. Und natürlich ist man dort während wichtiger Feierlichkeiten fester in die Organisation und den Ablauf der Veranstaltungen eingebunden.

Aber auch hier gilt: Ohne Moos nichts los. Doch für ein paar Wochen New York, Rio, Tokio, vielleicht auch mal nach Madagaskar oder Nepal, dazu eine klasse Aufwertung im Lebenslauf kann man schon mal in Betracht ziehen, etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Es ist quasi eine Investition in die eigene Zukunft und sehr viel spannender als ein unbezahltes Praktikum über mehrere Monate in einem kleinen Büro irgendwo in Berlin zu machen. Und wer mit Engagement an seine Arbeit rangeht kann sein Fernweh leicht zum Beruf machen. Wer sich vorher noch ein bisschen informieren möchte, dem sei es angeraten, mal im Auswärtigen Amt vorbeizuschauen und sich im Besucherzentrum mit Mitarbeitern über ihre Arbeit und außenpolitischen Fachthemen zu unterhalten.

Artikel: Berufung Fernweh · Autor: Malte · Kategorie: Artikel
Datum: Montag, 30. April 2007, 16:26 Uhr
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