Dissent über Olympia 2008 in China
Die USA haben im Kongress erwägt, die Spiele in China wegen der Verstösse gegen die Menschrechte zu boykotieren. Die Spiele wurden dort von einem republikanischen Mitglied sogar mit den Spielen von 1936 verglichen, die bekannter Weise eine propagandistische Selbstinzenierung des Regimes wurde. China selbst macht als größter Dopingmittelexporteur Schlagzeilen und weigert sich, Kontrolleure frei und ungehindert einreisen zu lassen. In Peking, so wird weiterhin erörtert, könnten Ausdauerdisziplinen wohl nicht ob der massiven Luftverschmutzung stattfinden.
Heute wird auf dem Platz des himmlischen Friedens mit einer großen Feier der Countdown eingeleitet – an dem Platz, wo 1989 Studenten und Freiheitsaktivisten regelrecht abgeschlachtet worden sind. Sicher, es hat sich vieles in China verändert – es ist mittlerweile von einem regionalen halb-kommunistischen Wirtschaftsblock zu einem globalen Player geworden. Die Entscheidung des IOCs hat dies gewürdigt. Der Spotlight-Effekt der Medien, die sich durch die Olympischen Spiele auf China richten, so ein Teil der Argumentation, würde dem Durchsetzen von Menschrechten und der Integration Chinas in die Weltgemeinschaft Anschub leisten.
Leider scheint dies weit gefehlt. Im Wettlauf um lukrative Kooperationen geben sich die Länder in China die Klinke in die Hand, gerüffelt wird zumeist nur hinter vorgehaltener Hand. Entscheidend wäre hingegen, wenn sich die internationale Staatengemeinschaft entscheiden würde, mit den Olympischen Spielen mehr Druck auszuüben und nicht einem repressiven Staat eine Honoration, wie es die Spiele darstellen, auf einem silbernen Tablett zu servieren.
Die Organisation Reporter ohne Grenzen trifft dabei den Nagel auf den Kopf. “Russian dissident Vladimir Bukovsky’s outraged comment about the holding of the 1980 Olympics in Moscow – “Politically, a grave error; humanly, a despicable act; legally, a crime” – remains valid for 2008.“
Die Organisation unterstützt dabei 2 Petitionen – eine eigene mit 9 Punkten, die sich auf freie Meinungsäusserung und einen Stop der Zensur in China richtet – und eine der Dachorganisation China 2008 Olympics Collective, die sich noch spezifischer mit den Menschrechten in China auseinandersetzt.
Wer sich über die momentane Menschenrechtslage in China informieren will, kann dies sehr gut auf der Site von Human Rights Watch. Auch in der Süddeutschen stand u.a. gestern ein Artikel. Wie immer sehr kritisch und informativ die Taz in “Die Repressionen werden zunehmen”
Hier noch einmal zur Erinnerung. 1989 – Platz des Himmlischen Friedens
Leider wird der öffentliche Druck wohl kaum ausreichen, denn welches Land möchte schon gerne das Land der aufgehenden Sonne verärgern? Doch ohne nachhaltigen politischen Druck – und dabei ist die Idee eines Boykots die naheliegenste – würde das Licht der Olympische Idee mit seinem Glanz unsere Augen für das tägliche Unrecht in diesem Land verblenden.
Artikel: Dissent über Olympia 2008 in China · Autor: Malte · Kategorie: Journal
Datum: Mittwoch, 8. August 2007, 10:22 Uhr
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