GDL Bahn-Streik vs New York’s MTA-Strike 2005

Die GDL wird morgen oder übermorgen mit einem unbefristeten Streik beginnen. Die Forderung der Lokführer ist bekannt: 30% mehr. Also von einem Anfangsgehalt eines Lokführers von € 1.500 rauf auf € 2.500. Zurecht wird von der GDL darauf hingewiesen, dass der Vorstand der Bahn alleine in 2006 einen Gehaltszuwachs von über 60% zu verzeichnen hatte. >> Link >> Dennoch, auch wenn ich mit einer nostalgischen Träne im Knopfloch sehe, dass wenn der starke Arm der Arbeiter es will, alle Räder still stehen, auch wenn die Einkommensschere weiter auseinander geht, die Reicher mehr und die Armen verhältnismäßig weniger verdienen, ist eine Forderung von 30% mehr Lohn seitens der GDL unverhältnismäßig. Der nun folgende unbefristete Arbeitskampf meines Erachtens auch.

Die Parteien halten sich derweil dezent zurück. Von Merkel war zu hören, sie würde sich aus dem Tarifstreit heraushalten, und es wäre nett, wenn nicht während der Ferienzeit gestreikt würde. Die SPD ist gegen einen eigenen Tarifvertrag und für eine geschlossene Gewerkschaftsfront, die Linke ist gegen die Kriminalisierung eines Streiks. Nichts desto trotz: wie das DIW zitiert wurde, müsste die Bahn bei einer Gehaltserhöhung von über 7% gut 1.500 Stellen pro Jahr abbauen. Die täglichen Kosten für einen Streik, so in einem Artikel der WiWo, würde die deutsche Wirtschaft rund € 500 Millionen kosten können.

Deutschland befindet sich momentan also in der Hand einer kleinen Arbeitergewerkschaft, die ihren Forderungen nun nachhaltig Nachdruck geben. Könnte man etwas tun? Sicherlich. Die GDL wie auch die Bahn sollten von ihren Extremforderungspunkten zurücktreten und verhandeln. Doch was hätte bisher und sollte weiterhin anders gemacht werden?

Ein gutes und fast vergleichbares Beispiel kommt aus New York. Die Gewerkschaft der MTA-Bediensteten haben im Dezember 2005 einen Arbeitskampf begonnen. Dieser kostete New York täglich zwischen 200 – 300 Millionen Dollar. Die Forderungen waren ähnlich unverhältnismäßig, da eine MTA Angestellter im Durchschnitt 52.000 Dollar im Jahr verdient und der Service (falls jemand in New York war) wirklich unterhalb der Gürtellinie angesiedelt ist. Mehr dazu in Wiki >>

Der Arbeitskampf war nach 2,5 Tagen beendigt. Die Politik und der New Yorker Bürgermeister stellten sich geschlossen gegen einen Streik (konnten ihn jedoch nicht abwenden). Das Medienecho war ähnlich kritisch gegenüber dem Streik eingestellt – obwohl sich das Stimmungsbild in den Medien und der Bevölkerung von anfänglicher Kuriosität zu einer offenen Konfrontation hin entwickelte. Nicht wenig Anteil hatte daran die klare Positionierung der Politik – die hier in Deutschland von mir vermißt wird.Auch fehlt eine klare Positionierung der Öffentlichkeit in dieser Sache.

Während die Bahn versucht, ihren nicht so guten Ruf noch ein wenig schlechter zu machen und vor Gericht zieht, ist in New York von der Politik selbst ein Verfahren angestrebt worden. Während der MTA-Strike in 2005 nur auf den Personenverkehr in der U-Bahnen und der Busse begrenzt war, ist die Bahn nicht nur im Personen sondern auch im Güterverkehr das Herzstück in Deutschlands Verkehrsnetz. Wenn eine kleine Gruppe Arbeiter, durch ihre privilegierte Position ermutigt, dieses Herzstück lahm legt und Unsummen an Kosten produziert, sollte die Politik auch zusammen mit der Bahn juristische Anstrengungen unternehmen und den überzogenen Forderungen der GDL entschieden entgegentreten. In New York wurde die MTA-Gewerkschaft auf 2,5 Millionen $ Schadensersatz verklagt und der Gewerkschaftschef musste für 10 Tage ins Gefängnis. Auch wenn ich dabei eine nostalgische Träne vergiessen muss – die Zeit solcher Streiks, wie die GDL ihn anregt, sind vorbei. Ein solcher Streik, der so massiv in das öffentliche Leben eingreift, sollte ein juristisches Nachspiel haben. Im Jurablog wurden dabei die Hintergründe des aktuellen Streiks abgeklopft, aber leider kann ich daraus nicht erkennen, ob sich aus dieser Sachlage eine juristische Handhabe gegen die Streiks ergeben würde. Vielleicht sollte jemand aus Berlin einfach mal in New York um Rat anfragen. Gute Fahrt …

Artikel: GDL Bahn-Streik vs New York’s MTA-Strike 2005 · Autor: Malte · Kategorie: Journal
Datum: Dienstag, 7. August 2007, 06:31 Uhr
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