Google will unsere Wünsche besser kennen, als wir selbst – mit iGoogle

Google möchte mehr über uns wissen, als wir selbst es tun und sich in eine „perfect search engine“ verwandeln, die uns jegliche Entscheidungen abnehmen kann. Fragen wie „Was soll ich morgen machen?“ oder „Welchen Job soll ich wählen“ soll Google uns beantworten können, so der Begründer Eric Schimdt. Bis 2012 hat er sich dieses Ziel gesetzt, auch wenn er zugibt, dass es vielleicht etwas hochgesteckt ist. Um dieses Ziel zu erreichen, muss Google aber zunächst einmal alles über uns herausfinden. Der Schlüssel zur Zielerreichung ist ein allumfassender Webservice, genannt iGoogle. Dieser umfasst eine personalisierte Homepage, eine Suchmaschine, einen Blog, ein E-Mail-System, mini Programm-Gadgets, Web-browsing history, usw. – was zusammen die intimste Weltdatenbank darstellen wird. Mit unseren intimsten Informationen kann künstliche Intelligenz unsere Wunsche identifizieren, indem sie die letzen Blogeinträge, wo wir online waren, unsere e-commerce Geschichte und kulturelle Interessen so verknüpfen, dass sie logische Schlussfolgerungen über unsere Wünsche ziehen kann. Die Frage ist nur, ob wir das überhaupt wollen.

Wir haben natürlich die Wahl, niemand zwingt uns dazu, Google zu nutzen. Ich fühle mich bereits „beobachtet“, wenn ich nur an eine gmail-Adresse antworte. Berichte von überraschten gmail-Besitzern, die an ihre letzte Email-Korrespondenz angepasste Angebote erhalten, sind mir keine Seltenheit. Und Google speichert bereits alle unsere Sucheingaben. Man kann sich vielleicht darüber freuen, dass Google die Daten „nur“ für 18 Monate speichert, während Yahoo und Microsoft dies unbeschränkt tun. Andrew Keen, Autor des „The Cult of the Amateur: How today’s Internet is killing our culture“, wirft berechtigterweise die Fragen auf: „Was wird passieren, wenn die Regierung Zugriff auf iGoogles Daten verlangt? Und werden wir iGoogle verklagen können, wenn es uns zu einer unklugen Jobentscheidung rät?”. Die künstliche Intelligenz wird traditionelle Privatrechte auf die Probe stellen und uns eine Ausrede bieten, die Verantwortung für unsere Entscheidungen abzugeben.

Was will Google wirklich? Es will dominieren. Es erreicht bereits heute 70% der Internetbenutzer, ist US$150 Milliarden Wert und ist durch den Aufkauf von YouTube letztes Jahr nun auch dominierend im Online-Video-Markt. Sein Angebot zum Aufkauf von DoubleClick würde Google auch im online-Werbegeschäft absolut dominant machen. Mit einem personalisierten Servie wie iGoogle, sucht Google Monopolist unseres Online-Verhaltens zu werden. Je besser Google unsere Wünsche kennt, desto gezielter kann es Werbung einsetzen und desto mehr Einnahmen kann es von den Werbeagenturen verlangen.

Alternative Suchmaschinen gibt es massenhaft, wie Vivisimo, welches die Suchergebnisse gleich übersichtlich auf der linken Seite in einer Baumstruktur bündelt und auch gmail ist nicht der einzige E-Mail-Service. Ippimail z.B. ist ein non-profit E-Mail-Service, bei dem 45% der Werbeeinkommen an Stiftungen fliessen und 10% an die Open-Source-Community.

Artikel: Google will unsere Wünsche besser kennen, als wir selbst – mit iGoogle · Autor: Vanessa · Kategorie: Journal
Datum: Sonntag, 22. Juli 2007, 07:18 Uhr
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